So manche haben davon schon gehört, für andere ist es unerwartet. Für die meisten wird diese Entscheidung vermutlich nicht überraschend sein, da schon bereits vor Eröffnung vor zwei Jahren die Gerüchteküche brodelte und Wetten darüber abgeschlossen wurden, wie lange wir durchhalten würden bzw. wir nicht einmal ein Jahr erreichen würden. Aber, bevor ihr nach diesem Absatz aufhört, zu lesen oder die Audio zu stoppen, würden wir euch bitten, alles zu lesen bzw. anzuhören. Das nimmt zwar etwas mehr eurer wertvollen Lebenszeit ein, aber ihr versteht dann das Große Ganze und verpasst nicht das riesige Potenzial, welches wir trotz des kleinen Güssings hatten und ausschöpfen wollten und vielleicht sogar noch werden.
Wie viele von euch bereits wissen, war allein der Start zur Eröffnung herausfordernd in Sachen Finanzen und Bürokratie. Mit einem ganz kleinen Eigenkapital, vielen Gebrauchtmöbeln und ganz viel Hoffnung konnten wir im März 2024 das erste Mal unsere Türen öffnen.
Die Schwierigkeiten blieben jedoch fortan bestehen. Behördlicher Unsinn trieb uns in den Wahnsinn, Lieferschwierigkeiten sorgten für Lücken im Warenbestand, Fehler der Druckerei verzögerten Liefertermine, Nebensaison brachte uns an den Rand der Verzweiflung. Aber wir wollten an unserem Traum festhalten. Wir suchten immer neue Ideen, um schwierige Zeiten zu überbrücken, Kundenwünsche zu erfüllen und uns regional zu integrieren. Wir investierten unseren winzigen Überschuss in neue Formen, neue Maschinen und nicht zuletzt in unsere Außenterasse mit Strandkörben. Immer mit dem Wunsch, unseren Kunden ein Stück Auszeit und viel Genuss mitzugeben, und unsere eigenen Fähigkeiten auszuleben.
Doch der Rucksack, den wir an seelischer Belastung aus der Vergangenheit mit rein brachten, war zu schwer, er bremste uns in unseren Fähigkeiten und sorgte für allerlei depressive Phasen. Doch aufgeben war nie eine Option.
Wir investierten viel, wir verschenkten viel. Werbung, Außenbeschilderung, Spenden an Feuerwehr & Co., Verschenken von Präsentkörben an Tombolas, Herausgabe von Rabatten in Form von Eis- und Kaffeegutscheinen, günstige Kaffeepreise und vieles mehr. Doch wir durften feststellen: Die Güssinger hatten Recht: sie sind ein schwer zugängliches Volk und somit dürfen wir bestätigen: Eine Chocolaterie hier in Güssing funktioniert nicht. Wir sind zu groß und die Zielgruppe die falsche. Aber, bevor jetzt jemand seinen Wett-Erfolg in seinem Freundeskreis einfordert:
ganz so einfach ist es dann doch nicht. Wir schließen nicht, weil wir in Güssing zu groß sind oder über geringe Nachfrage klagen.
Es ist nämlich genau das Gegenteil: Auch wenn weder Laufkundschaft noch die Güssinger uns aufsuchen wollten und auch der Bürgermeister noch immer mit großem Abstand vorbei spaziert und unsere Räumlichkeiten noch nie in den zwei Jahren betreten hatte und auch der Vizebürgermeister lediglich zu einem Gespräch VOR Eröffnung vor Ort war, so hat sich unsere Zielgruppe ungeplant verschoben: Wir zählen Touristen aus Stegersbach und anderen Regionen zu unseren Hauptkunden, erhielten viele Anfragen von Busreisen, Großseminaren, Wiederverkäufer. Doch wir haben ein Problem: Um Aufträge dieser Art annehmen zu können, ist die Produktion zu klein und unsere Arbeitsutensilien nicht ausreichend. Das heißt, wir sind zu klein für all die Aufträge, die wir hätten annehmen können. Wir müssen uns also vergrößern, um unserer Zielgruppe gerecht werden zu können. Für eine Vergrößerung braucht es allerdings Kapital. Da all unser Kapital bereits in die Chocolaterie investiert wurde, sind wir angewiesen auf externe Finanzierung. Und genau daran scheitert es: Wir haben unseren Betriebs"urlaub" dazu genutzt, eine Finanzierung zu regeln, den Umbau zu planen und mit einer größeren Produktion neu durchzustarten. Leider ist es gescheitert. 
Wir hätten dabei sowohl die Variante geplant, die Räumlichkeiten nebenan dazu zu mieten und durch Cafébereich zu erweitern mit Mehlspeisen und Eis, da die Nachfrage die letzten Monate stark gestiegen ist und die Kundenbewertungen Qualität und Service eindeutig bestätigen, dass es sich bei unseren Plänen nicht um Luftschlösser handelt, sondern um echte Zufriedenheit und Nachfrage. Die andere Variante wäre, die aktuellen Räumlichkeiten als solche weiter zu nutzen, jedoch den Sitz- und Verkaufsbereich zu verkleinern, Öffnungszeiten zu verkürzen, Produktion zu vergrößern und den Fokus auf Wiederverkäufer zu legen. Von kleinem Budget bis hin zu größeren Investitionen haben wir viele Konzepte durchplant und eingereicht, insbesondere da der Standort aufgrund von Kulturzentrum, Ärztezentrum, Bau der Reika und Fertigstellung des Aktivparks ein Standort mit Zukunft ist.
Wir sind nun an dem Punkt, wo wir uns damit abfinden müssen, unseren Traum aufzugeben. Seit 2015 haben wir daran geplant, in 2020 wollten wir es mit unserem großen Eigenkapital umsetzen, Dank der Coronazeit, dessen Kosten und behördlichen Wahnsinns verschob es sich auf 2024. Und nun zwei Jahre später ist der Traum aus. Unsere Lieblingsberufe, einfach weg. Es macht uns so unheimlich traurig. Denn für uns ist es nicht einfach nur ein Job. Es ist unser Lebenstraum. Es ist das Gefühl, sich selbst zu verwirklichen und Kunden und Beschenkten eine Freude zu machen. Eine Atmosphäre des Genusses zu schaffen, eine Auszeit, Mehrwerte, Zusammenkommen, Gemütlichkeit, etwas Besonderes. Wir wollten die Region bereichern und selbst darin aufblühen. All das, was wir an Erfahrung mitgebracht haben, wollten wir gebündelt zu unserem Lebensziel machen. Als Familienbetrieb. Mit echtem Handwerk. Ohne Maschinen, ohne Gluten, ohne Fremdfette, ohne künstliche Farbstoffe, ohne Giftfrosch Symbol. Hochwertige Produkte aus echter Liebe zur Handarbeit hier in Güssing erzeugt. Transparent, ehrlich und authentisch. Wir lieben unsere Arbeit so sehr und es reißt ein großes Loch in unsere Herzen, uns davon lösen zu müssen. Es ist als würde ein Familienmitglied von uns gehen. Die Schokolade und das Marketing drumherum waren Teil unserer Identität. Das sind wir. Wir müssen ein Stück von uns selbst gehen lassen.
Wir sind an einem Punkt, wo sich nichts mehr retten lässt. Wir haben lange gewartet, viel versucht, viel gekämpft, viel Hoffnung gehabt, viel gebetet und in viele Richtungen gedacht, geplant und allerlei Ideen gehabt. Aber diese Branche lebt nicht ohne Kapital. Es ist einfach zu teuer. Die Kosten, die so ein Unternehmen verschlingt, sind einfach zu heftig. Die behördlichen Auflagen machen Alternativen nahezu unmöglich, sodass es nicht die Möglichkeit eines Übergangs gibt. Für uns gab es daher nur drei Optionen: vergrößern, umziehen oder aufhören. Da ersteres ohne Kapital nicht funktioniert und wir zweiteres nicht wollen, muss die dritte greifen. Alle anderen Pläne, die wir schon damals alle hatten, funktionieren nicht. Dank der Bürokratie sind keine Zwischenlösungen möglich.
Wir wollen mit diesem Artikel jetzt kein Jammerposting absetzen nach dem Motto, der Güssinger ist Schuld, weil er an uns vorbei geht oder die Bürokratie ist Schuld, weil mit sinnigen statt unsinnigen Auflagen alles viel einfacher wäre. Wir wollen euch einfach mitnehmen auf unserer Reise. Denn über Geld und Schließung spricht man normalerweise ungern. Und genau deswegen stellt man sich als Außenstehender das Betreiben eines Unternehmens so einfach vor. Unsere Reise zeigt, dass unsere geplante Zielgruppe (vor Ort und online) sich änderte (zu Touristen, Wiederverkäufern und Großseminaren). Nur, wenn wir unser Konzept der Zielgruppe anpassen, können wir uns wirtschaftlich halten. Doch all unsere Versuche der Finanzierung dessen scheiterten.
Deswegen müssen wir euch schweren Herzens mitteilen, dass wir nicht wie geplant unser aufgefülltes Sortiment nach dem Betriebsurlaub anbieten können, sondern in den Abverkauf starten müssen. Ihr seid somit herzlich eingeladen, von dem Restbestand zu profitieren. Erst werden wir die Produkte verkaufen, anschließend unser Inventar.
Noch kurz zum angesprochenen Punkt der Möglichkeit eines Umzugs angemerkt: Es gibt durchaus einige Städte, die uns angeboten hatten, dass wenn wir zu ihnen übersiedeln, würden wir unterstützt und mit offenen Armen empfangen werden. Doch wir lieben Güssing, daher gibt es, zumindest Stand heute, keine Pläne, dass Kosilade in eine andere Stadt umzieht.
Wir sind sehr traurig, aber es geht nicht anders.
Da wir weiterhin tief in uns spüren, dass es nicht das Ende ist, geben wir die Hoffnung nicht auf. Wer weiß, wie sich unser Leben entwickelt und ob wir irgendwann vielleicht doch neu durchstarten können. Wir würden uns daher sehr freuen, wenn ihr als Follower bei Social Media weiterhin treu bleibt und so auf dem aktuellen Stand unseres Werdegangs bleibt.
Wir danken all unseren Kunden, Fürsprechern und Geschäftspartnern, insbesondere unseren Stammkunden und geduldigen Unternehmern. Ohne den Kreis dieser wertvollen Menschen hätten wir nicht diese zwei Jahre durchhalten können. Wir haben in dieser Zeit so viele freundliche und interessante Menschen kennen gelernt, so viele schöne Erfahrungen gemacht, sind so oft über uns hinaus gewachsen. Neben all den Schwierigkeiten gab es so viele motivierende Momente und Phasen. Und diese behalten wir in unserem Herzen.